Hochschule Hannover bildet Geflüchtete zu IT-Fachkräften weiter

Der Fachkräftebedarf im IT-Bereich steigt. Bereits im vergangenen Jahr gab es bundesweit mehr als 100.000 offene Stellen für IT-Spezialist*innen. Das ergab eine Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, die der Digitalverband Bitkom e.V. durchgeführt hat. Auch wenn ein klarer Trend hin zum MINT-Studium zu verzeichnen sei, könne der Mehrbedarf, der künftig noch steigen werde, durch inländische Arbeitskräfte nicht abgedeckt werden, heißt es in der Studie weiter. Thomas J. Schult, Professor an der Hochschule Hannover (HsH) und der ehemalige Chefredakteur der Branchen-Leitmedien „c’t“ und „heise online“, Johannes Endres, haben aus diesem Grund das Projekt REFUGEEKS ins Leben gerufen. Dahinter steckt ein Weiterbildungsprogramm, welches das Ziel hat, Geflüchteten mit ausländischem Hochschulabschluss und Programmiererfahrung berufliche Zukunftschancen im IT-Bereich in Deutschland zu ermöglichen.

Data Science und Web Technology: Die Inhalte von REFUGEEKS

REFUGEEKS ist als Pilotprojekt angesiedelt im Bereich Weiterbildung der HsH und läuft im Rahmen des Förderprogramms PROFI – Programm zur Förderung der bildungsadäquaten Integration geflüchteter Akademiker*innen in den deutschen Arbeitsmarkt 2020. Die finanziellen Mittel kommen vom Deutschen Akademischen Austauschdienst. Die Idee des hannoverschen Projekts ist, dass die REFUGEEKS Coding Academy Geflüchtete mit akademischem Hintergrund innerhalb von zwölf Monaten zum IHK-zertifizierten „IT-Expert*in Data Science / Web Technology“ weiterbildet. „Die erste von zwei Projektgruppen, bestehend aus 20 Teilnehmer*innen vorwiegend aus der Türkei, Syrien und dem Iran, hat im Januar dieses Jahres bereits mit Deutschkursen begonnen und musste im März auf die Onlinelehre ausweichen“, berichtet Prof. Schult. Ende Juni sollen für die Teilnehmer*innen die Programmierkurse starten, die über neun Monate laufen werden. Um die Kurse als Präsenzveranstaltungen stattfinden lassen zu können, werde mit Hochdruck an den Hygienevorgaben gearbeitet, sagt Prof. Schult.

Das Curriculum ist an die Informatikanteile des Bachelor-Studiengangs Informationsmanagement der Hochschule Hannover angelehnt. Zudem stehen zwei besonders nachgefragte Teilbereiche der Software-Entwicklung im Fokus: Data Science mit dem Schwerpunkt Maschinelles Lernen und Web Technology mit dem Schwerpunkt E-Commerce. Die Teilnehmer*innen erwerben in dieser Zeit aber auch überfachliche Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement, interkulturelle Kommunikation und Teamarbeit. Ein weiteres Element im Rahmen der Weiterbildung stellen Angebote für die Berufsvorbereitung dar.

An den theoretischen Teil schließt sich eine dreimonatige Praxisphase in niedersächsischen Unternehmen an, die für das Projekt gewonnen werden konnten. „Auch in der aktuellen Situation zeigt sich, dass es eine große Nachfrage an Arbeitskräften im IT-Bereich gibt. Speziell Programmierer werden immer gesucht“, sagt Prof. Schult. Die zweite Projektgruppe startet im Herbst dieses Jahres. Ab Juni werden Mitarbeitende der REFUGEEKS Coding Academy mit der Akquise von Teilnehmer*innen beginnen.

Ein niedersächsisches Netzwerk für REFUGEEKS

Neben den mit den Initiatoren des Projektes vernetzten Unternehmen aus der IT-Branche, sind die IHK Hannover und der regionale Branchenverband „Hannover IT“ wichtige Kooperationspartner. Zudem gibt es seit einigen Jahren durch die Flüchtlings-Integrations-Initiative intoSTUDY der Hochschule Hannover Kontakte zu Einrichtungen der Flüchtlingsbetreuung in Niedersachsen. Diese unterstützen bei der Gewinnung von Teilnehmer*innen an der Weiterbildungsmaßnahme. Innerhalb der HsH kooperiert die Weiterbildung mit dem Language Center und dem Career Center. Die Initiatoren verfolgen das Ziel, die Weiterbildungsmaßnahme nach Projektablauf von der Agentur für Arbeit genehmigen und finanzieren zu lassen. Dafür muss die HsH jedoch als Bildungsträger zertifiziert sein. Das Projekt dient also als Vorbereitung und Etablierung einer Weiterbildung, die später von Arbeitssuchenden jeglicher Herkunft absolviert werden kann.

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Rund 10.000 Studierende profitieren von den vielseitigen Chancen, die ein Studium an der Hochschule Hannover bietet. International ausgerichtet und regional verankert, bietet die Hochschule ein außerordentlich breit aufgestelltes Fächerspektrum. Neben den Ingenieurs-, den Wirtschaftswissenschaften und dem Sozialwesen sind an der Hochschule Hannover insbesondere am Standort Expo Plaza auch vielfältige Medien- und Kreativstudiengänge von hoher international angesehener Ausbildungsqualität vertreten.

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